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Die einen schimpfen über «diese jungen Dinger», die es nicht fertig bringen, zu verhüten. Die anderen wissen diese Notlösung zu schätzen.
Immer mehr Frauen kommen zur Apotheke und verlangen die «Pille danach». Doch einfach auf dem Heimweg klingeln und knapp 40 Franken für das Verhütungspräparat hinlegen das geht nicht. Markus Meyer Langenegger, Fachapotheker der Apotheke Meyer in Roggwil erläutert das Prozedere: «Es gibt trotz Aufklärung in dieser Altersgruppe unter 18 Jahren viele Zwischenfälle. Die Pille danach dürfen wir ab dem Alter von 16 Jahren ohne Rezept abgeben. Sonst werden die Kundinnen von uns zur Frauenärztin, resp. ins gynäkologische Ambulatorium des SRO geschickt». Eine Vorschrift zur Einnahme der «Pille danach» lautet: Das Präparat muss in der Apotheke unter Aufsicht eingenommen werden. Damit wird der Missbrauch verhindert. So kann kein Mädchen eine Pille holen und sie draussen der zu jungen Kollegin weitergeben. «Die Kundin füllt zusammen mit dem Apotheker ein Formular aus, worauf alle wichtigen Fragen zur Abgabe dokumentiert werden. Dies stellt sicher, dass die Abklärung vollständig und richtig erfolgt und dient auch bei einem späteren medizinischen Problem als Beweismittel. Erst wenn mit dem Fragebogen alles geklärt ist und alles in Ordnung ist, nimmt die Kundin die Pille unter Aufsicht ein. Diese Massnahme ist aus meiner Sicht absolut richtig, denn sonst würde die Pille danach eventuell von Frauen eingenommen, welche dies aus diversen Gründen nicht sollten, resp. dürften. Für mich wäre es unverantwortlich ein solches Arzneimittel mitzugeben. Wichtig zu wissen, die Angaben, welche dem Apotheker gemacht werden, unterstehen der Schweigepflicht», erklärt Markus Meyer Langenegger. Einen Aspekt für den Anstieg der Nachfrage nennt Hanspeter Vogt, Chefarzt Frauenklinik SRO in Langenthal: «Es werden an der Familienplanungsstelle Langenthal pro Jahr 80 bis 100 Pillen danach abgegeben. Es handelt sich um die Abgabe einer einzigen Tablette NorLevo Uno von Sandoz. Die Nebenwirkungen sind sehr gering. Möglich sind Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Müdigkeit und Erbrechen. Die Beschwerden verschwinden innert zwei Tagen. Dass mit der Sexualität heute wieder leichter umgegangen wird, kann ich nicht bestätigen. Die Benützung des Kondoms zur Verhütung vor ansteckenden Krankheiten ist eigentlich bekannt und die Risikofreudigkeit ist individuell». |
Nicht gleichsetzen mit Abbruch
Die «Pille danach» wurde lange mit der Abtreibungspille gleichgesetzt. Inzwischen kennen selbst Skeptiker den Unterschied. «Bei der «Pille danach» geht man davon aus, dass der Eisprung unterdrückt wird, sowie die Befruchtung und Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut verhindert wird. Bei einer Abtreibung wird ein befruchtetes, lebensfähiges Ei, welches sich bereits in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat, ausgeschieden. Für einige Personenkreise stellt sich die Frage, ab wann ist Leben in der Eizelle vorhanden», beleuchtet Markus Meyer Langenegger. Chefarzt Hanspeter Vogt sagt: «Die Pille danach sollte nicht mehrmals eingenommen werden müssen, da eine verantwortungsvolle Verhütung viel mehr Sinn macht. Die Pille danach ist ein Notfallmedikament und kein Verhütungsmittel. Bei der Abgabe der «Pille danach» sind wir immer darum bemüht, gleichzeitig eine sichere und gute Verhütung anzubieten. Das tun wir in solchen Situationen stets ohne grossen Aufwand und sehr gerne! Das beliebteste Verhütungsmittel ist und bleibt die ‚traditionelle’ Pille. Zunehmend beliebt ist auch der Vaginalring, der wie die Pille wirkt, aber nicht geschluckt werden muss. Er ist sehr sicher, einfach anzuwenden und leider etwas teurer als die Pille.»
Unerwünschte Schwangerschaften sind Realität
Es sind keinesfalls nur die jungen Mädchen, die leichtfertig auf Verhütung verzichten. «Man täusche sich. Ein geplatztes Kondom oder eine Pille vergessen kann es in jedem Lebensalter geben», sagt Markus Meyer Langenegger. «Das Thema Abtreibung ist in unserem Fach ein leides Thema. Die Verhütung einer unerwünschten Schwangerschaft hat für uns einen hohen Stellenwert. In diesem Sinne ist die Pille danach eine sehr gute Möglichkeit! Unerwünschte Schwangerschaften sind aber eine Realität. Nie macht es sich eine Frau leicht, die um eine Abtreibung bittet. Als Arzt können wir in solchen Ausnahmesituationen beratend zur Seite stehen, entscheiden muss die betroffene Frau allein», macht Hanspeter Vogt, Chefarzt der Frauenklinik SRO in Langenthal deutlich.
© Neue Oberaargauer Zeitung, 24.02.2010
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